Datum: 20.10.2016
Ort: Innsbruck

theALPS Media Summit 2016: Internationales Forschungsteam präsentierte zentrale Herausforderungen für alpine Winterreisen

Rund 100 Medienvertreter und Touristiker aus dem gesamten Alpenbogen versammelten sich gestern zum Auftakt von theALPS 2016 beim Media Summit im ORF Landesstudio Tirol, der von Tirols Landeshauptmann Günther Platter, ORF-Landesdirektor Helmut Krieghofer und AlpNet-Präsident Josef Margreiter eröffnet wurde. Hubert Siller (MCI Tourismus, Innsbruck) Ralf Roth (Deutsche Sporthochschule Köln) und Harald Pechlaner (EURAC Research, Bozen) gaben dabei erste Einblicke in das aktuelle Forschungsprojekt „Winterreisen in die Alpen“.

Zentrale Statements konnten mittels eines Live-Tickers in Echtzeit verfolgt werden – hier zum Nachlesen: http://thealps.mohomedia.net/live/media-summit-2016

Weitere Fotos vom Media Summit unter http://www.martin-huber.at/p65797357


Im Rahmen der Studie hat ein Team aus Forschern aus fünf Alpenländern aktuelle Zahlen zu diesem Wirtschaftszweig auf Basis verschiedener statistischer Quellen* aufbereitet. Demnach zählen die Alpenländer laut MCI Tourismus zusammen (Stand 2015) rund 386 Millionen entgeltliche Übernachtungen von Touristen, das sind 14,4 Prozent der EU-28 Übernachtungen. Weitere 126 Millionen Übernachtungen gehen auf das Konto von Zweit- und Freizeitwohnsitzen. Zusammen gerechnet (kommerzielle und nicht-kommerzielle Übernachtungen) entfällt nahezu jede fünfte Übernachtung in den EU-28 auf den Alpenraum.

[* Im Wesentlichen wurden statistische Daten von Eurostat (2016), BAK Basel (2016), Bundesamt für Statistik Schweiz (2016), DESTATIS Statistisches Bundesamt (2016), ISTAT L'Istituto nazionale di statistica (2016), Comité Régional de Tourisme - Provence-Alpes-Côte d'Azur (2016), Rhone-Alpes Tourisme (2016), Republic of Slovenia Statistical Office (2016), Statistik Austria (2016) und Vanat (2016) aufbereitet.]

Winterreisen in die Alpen – ein starker Wirtschaftsfaktor

8,2 Prozent aller (kommerziellen und nicht-kommerziellen) Übernachtungen der EU-28 fallen zwischen November und April im Alpenraum an. In den Alpen selbst ist die Wintersaison mit einem Anteil von 43,3 Prozent an den kommerziellen Übernachtungen sehr bedeutend. Gesamt betrachtet verfügen die Alpenstaaten laut BAK Basel über 7,5 Millionen kommerzielle Betten. Nur jedes zweite Bett im Alpenraum ist ein kommerzielles, jedes sechste ein Hotelbett.

Mit aktuell 158 Millionen Skifahrertagen bei 48,2 Millionen aktiven Skifahrern entfällt fast die Hälfte aller weltweit gezählten Skifahrertage (45%) auf die Alpen: Ein  Drittel davon kann allein Österreich für sich verbuchen (51 Millionen Skifahrertage), weitere 30 Prozent (48 Millionen Skifahrertage) gehen auf das Konto von Frankreich. Es folgen Italien (29 Millionen Skifahrertage), die Schweiz (25 Millionen Skifahrertage), Deutschland (4 Millionen Skifahrertage) und Slowenien (1 Million Skifahrertage).

Wie dem „2016 International Report on Snow & Mountain Tourism“ von Laurent Vanat zu entnehmen ist, befinden sich 86 Prozent aller größeren Skiresorts mit mehr als einer Million Besucher pro Wintersaison in den Alpen; 10.080 Seilbahnen und Lifte finden sich hier, das sind 38 Prozent aller weltweit gezählten. Das MCI Tourismus in Innsbruck hat darüber hinaus aktuell erhoben, dass die 2.174 Skischulen in den Alpen 84 Prozent aller Skischulen weltweit darstellen.

Drei zentrale Herausforderungen für Winterreisen

Im Rahmen des theALPS Media Summit am 19. November 2016 in Innsbruck präsentierten die Forscher des Projektverbunds, Harald Pechlaner, Ralf Roth und Hubert Siller, mit drei so genannten „zentralen Herausforderungen für Winterreisen 2030“ weitere Kernergebnisse des Forschungsprojektes „Winterreisen in die Alpen“.

1. Wirtschaftsfaktor Schnee

„Schneeerlebnisse sind einzigartig und aus diesem Grund nicht zu ersetzen“, so der Auftakt von Hubert Siller, MCI Tourismus in Innsbruck, der die Herausforderung „The Snow Experience Economy“ vorstellte. „Dass die Alpen hier hohe Kompetenz aufweisen, kann aus der enormen Gästezufriedenheit abgeleitet werden.“ Die 2014 vom MCI durchgeführte Bergprofilstudie ergab beispielsweise, dass 62,5 Prozent aller deutschen Gäste mit ihrem Winterurlaub in den Alpen „sehr zufrieden“, zusätzliche 29,7 Prozent „zufrieden“ sind. Aktuelle Auswertungen der Net Promotor Scores (NPS) in zahlreichen Wintersportregionen bestätigen mit Werten über 50 (= exzellent) diese hohen Zufriedenheitswerte.

Der „Wirtschaftsfaktor Schnee“ ist für viele alpine Regionen sowohl wirtschaftliches als auch soziales Rückgrat. Im Speziellen trifft dies auf Tirol, Salzburg, Vorarlberg, Graubünden und das Wallis zu, wo zumindest zwei Drittel der touristischen Wertschöpfung auf den Winter entfallen. Da die durchschnittlichen Winter-Tagesausgaben rund 30 Prozent höher sind als im Sommer, ist der Wintertourismus der Treiber für Investitionen von Unternehmen und Destinationen.

Schnee ist dabei die Grundlage und gleichzeitig ein zentraler Erlebnisfaktor: Aktuelle Marktforschungsstudien, die im Rahmen des umfassenden Literaturscreenings von den Forschern analysiert wurden, zeigen, dass Bewegung, aktive Erholung in winterlicher Atmosphäre und frische Luft die positivsten Assoziationen der Gäste mit Winterreisen in die Alpen darstellen.

Die größte Herausforderung für die Weiterentwicklung der „Snow Experience Economy” sieht Siller in der erfolgreichen und nachhaltigen Heranbildung von künftigen Generationen von Wintersport-Enthusiasten, vor allem vor dem Hintergrund sich rasch ändernder Gesellschaftsstrukturen in den wichtigen Herkunftsmärkten.

2. Nachhaltig Reisen im Zeichen des Klimawandels

In der Fachwelt, das bestätigen die Ergebnisse des umfassenden Literaturscreenings, besteht Konsens darüber, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten auch im Alpenraum wesentlich verändert hat. Anerkannten Szenarien zufolge ist anzunehmen, dass die mittlere Lufttemperatur in den Wintermonaten im Alpenraum bis 2100 um ca. 2° Celsius ansteigen wird. Aber: „Insbesondere für die nahe Zukunft sind standortsbezogene Wintersportrahmenbedingungen, wie Temperatur, Niederschlag und Schneedeckenandauer nicht vorhersagbar“, so Ralf Roth im Zuge seiner Präsentation der Herausforderung „Sustainability & Climate Change“. Daher wären gerade bei alpinen Winterreisen eine qualitative Entwicklung mit Augenmaß sowie eine zunehmende Risikostreuung über ergänzende Angebote angesagt. Fakt ist auch, dass Investitionen in ein nachhaltiges Energie-, Wasser- und Flächen-Management wirtschaftlich sind und zu einem Wettbewerbsvorteil im internationalen Tourismus werden können.

Der überwiegende Teil der Wintergäste kommt aus den Alpenländern selbst (Schweiz 55 Prozent Inländer), Italien (65 Prozent Inländer) und Frankreich (70 Prozent Inländer). Nur Österreich und Andorra generieren mehr Skifahrertage aus dem Ausland. Die Forscher sind sich einig: Eine Substitution von Winterreisen in die Alpen durch Fernreisen, Sun & Beach oder Kreuzfahrten hätte eine deutliche Verschlechterung des touristischen Klima-Fußabdrucks zur Folge. Und dennoch: Der motorisierte Individualverkehr zählt zu den großen Herausforderungen des Wintertourismus, es braucht daher noch mehr innovative Mobilitätslösungen zwischen Smart Cities und Wintersportorten.

Die Forschungsgruppe hat sich im Besonderen auch mit der Frage der sozialen Nachhaltigkeit von Winterreisen befasst: Winterwandern, Skilanglauf, Schlittenfahren, aber auch regelmäßiges Skifahren reduzieren nachweislich Faktoren für Volkskrankheiten und fördern somit die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden. Roth: „Wir wissen, dass diese Bewegungsangebote im Winter die körperliche Aktivität fördern und so zur Vorbeugung bewegungsassoziierter Krankheiten beitragen. Sie sind gut für die kindliche Entwicklung, stärken die Immunabwehr, die mentale Gesundheit und das psychische Wohlbefinden und haben - das ist besonders hervorzuheben - eine sozialintegrative Funktion.“ Aktive Erholung, wie sie durch Schneesport stattfinden kann, hat demnach einen nachgewiesenen höheren und dauerhaften gesundheitlichen Effekt als Formen der passiven Erholung.

3. Produktverjüngung im Zeichen des Change Management

Mit dem Klassiker „Skiurlaub in den Bergen“ haben die Alpenländer eine Marke gesetzt, die im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht. Vor allem technisch wurde in den vergangenen Jahren aufgerüstet, um dem Wintergast ein eindrucksvolles Winter-Sport-Erlebnis zu bieten. Die Herausforderung für die Zukunft der Winterreisen in die Alpen besteht nun im Fine-Tuning, in der Erweiterung dieses Produkt-Klassikers sowie in der emotionalen Ausgestaltung, wie Harald Pechlaner am Beispiel der Herausforderung „Product Rejuvenation“ darlegte.

„Die unternehmerische Initiative ist unverzichtbar, wenn es um Produktinnovation geht“, so Pechlaner. „Doch vor allem auch in den Destinationen sind gute Netzwerkstrukturen, die Schaffung von Synergien auf allen Ebenen und klare Zuständigkeiten entscheidend für den künftigen Erfolg im Wettbewerb.“

Pechlaner zufolge sind drei raumspezifische Strategien für die Zukunft der Winterreisen entscheidend: Der Mobilitätsraum kennzeichnet die ausgezeichnete Qualität von Infrastruktur und Aufstiegsanlagen, gefolgt vom Attraktionsraum der innovativen Dienstleistungen und Produkte vor allem im Wintersportbereich; das größte Entwicklungspotential ist im Erlebnisraum vorhanden, wenn es darum geht, die Emotion und Atmosphäre des Bergerlebnisses im Sommer und Winter hervorzuheben.

Das Ergebnis der Delphi-Studie bzw. die Einschätzung der darin befragten Experten kann als eindeutiges Signal an die Tourismuswirtschaft im Alpenraum gesehen werden: Die laufende Investition in die Qualität von Winterreisen in die Alpen ist neben dem steten Bemühen um Akzeptanz bei Einheimischen und lokalen Stakeholdern sowie einem ausgeprägten Verständnis für und intensiver Auseinandersetzung mit dem Gast die beste und wirksamste Maßnahme, um diesen für viele Alpentäler so wichtigen Wirtschaftszweig auch in den nächsten Jahren zu sichern. Hier sind unternehmerische Initiative, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefragt.


Hintergrundinformation zum Forschungsauftrag

Der Verein AlpNet hat sich 2016 dem für den alpinen Tourismus essentiellen Thema „Zukunft von Winterreisen in die Alpen“ gewidmet und einen Forschungsauftrag vergeben, der sich im Wesentlichen folgender Fragestellung widmet: Wie kann der Wintertourismus in die Alpen im globalen Wettbewerb wettbewerbsfähig bleiben, sodass das Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum möglich und lohnenswert bleibt?

Interdisziplinärer, alpenweiter Fokus

Es war und ist das erklärte Ziel von AlpNet, mit diesem Forschungsprojekt einen möglichst den gesamten Alpenraum umfassenden, über den klassischen Wintersport hinausgehenden interdisziplinären Ansatz anzulegen. Der Untersuchungsfokus wurde daher nicht allein auf Fragen des Wintersports gelegt, sondern umfasste auch Themenfelder wie Innovation, Destinationsentwicklung und Destinationsmanagement, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Klimawandel, Mobilität, Reise- und Konsumverhalten, und andere mehr.

Auftragnehmer des Forschungsauftrages des Vereins AlpNet ist der Verein Future Mountain International. Future Mountain setzt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Zukunft des Bergerlebnisses auseinander. Als Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis, die derzeit Mitglieder aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol umfasst, ist er als Drehscheibe für das gegenständliche Projekt besonders geeignet.

Zusammenarbeit von Forschern aus fünf Alpenländern

Für das Projekt „Winterreisen in die Alpen“ wurde im Rahmen des Vereins Future Mountain International eine Kompetenzgruppe (Experts‘ Circle) gebildet. Deren Hauptvertreter sind:
-    FH-Prof. Mag. Hubert Siller, MCI Tourismus in Innsbruck, Österreich (Projektverbund-Leitung)
-    Prof. Dr. Ralf Roth, Leiter des Institutes für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln, Deutschland
-    Prof. Dr. Harald Pechlaner, EURAC Research in Bozen, Italien

Weiters beteiligt waren Prof. Dr. Thomas Bieger, Institut für systemisches Management und Public Government, Universität St. Gallen, Schweiz.  Für den französischen Markt wurde auf die Expertise von Willy Fux (LHM Conseil) und Professor Philippe Bourdeau vom Institut für Alpine Geographie an der Universität Grenoble-Alpes zurückgegriffen.

Drei Säulen des Forschungsprojekts

Das Forschungsteam hat sich im Zeitraum März bis August 2016 im Rahmen eines alpenweiten, umfassenden Dokumentenscreenings intensiv mit der „Zukunft von Winterreisen in die Alpen“ befasst. Erstmals liegt damit nun ein alpenweiter Befund über den Wissens- und Erkenntnisstand in diesem wichtigen Themenfeld vor. In das Screening konkret eingeflossen sind rund 250 veröffentlichte und unveröffentlichte Dokumente wissenschaftlicher Literatur, Geschäftsberichte,  Expertenpapiere, Präsentationen und Fachbeiträge etc. Der Untersuchungszeitraum wurde mit 2010-2016 festgelegt, wobei Ausnahmen bei besonderer inhaltlicher Eignung gemacht wurden. Die untersuchten Dokumente sind zum Großteil in deutscher und englischer, zum Teil aber auch in französischer und italienischer Sprache abgefasst. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, dass auch geografisch eine möglichst breite Abdeckung des alpinen Raumes gewährleistet wurde.

Im Zeitraum Juli – August 2016 wurde im Alpenraum eine Delphi Studie mit akademischen Experten und Praktikern zum Thema „Zukunft von Winterreisen in die Alpen“ durchgeführt. In die Erstellung des Fragebogens flossen bereits die wesentlichen Erkenntnisse des Screenings (siehe 3a) ein. Insgesamt wurden rund 90 Experten und Praktiker in fünf Alpenländern (A, D, CH, F und I) eingeladen, an dieser Delphi Studie mitzuwirken. 33 Experten und Praktiker nahmen an der Befragung teil, davon 12 aus dem akademischen und 21 aus dem wirtschaftlichen Bereich (12 Österreicher, 6 Schweizer, 8 Deutsche, 1 Franzose, 6 Italiener).

Die dritte Säule des Forschungsprojektes besteht in einer Skizzierung der „Challenges 2030” für die Sicherung des Geschäftsmodells „Winterreisen in die Alpen“ durch die in der Kompetenzgruppe vertretenen Forscher und Experten.


 

theALPS 2016 wird durch die freundliche Unterstützung folgender Partner ermöglicht:

 

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